Endlose Weite, rote Erde und pure Freiheit. Im Karijini Nationalpark zeigt sich Australien von einer besonders schönen, sehr einzigartigen Seite und irgendwie genauso, wie wir es uns immer vorgestellt haben.

Der Karijini Nationalpark in Westaustralien liegt im Zentrum der Pilbara, etwa 1500 km nördlich von Perth. Der zweitgrößte Nationalparks West Australiens besticht durch spektakuläre Felsformationen und Wasserlöcher, in denen man sich während der Wanderung erfrischen kann.

Wir haben den Karijini während unseres Roadtrips von Perth nach Darwin besucht und ohne Zweifel war er ein Highlight unserer gesamten Zeit in Western Australia. In diesem Beitrag teilen wir alles Wissenswerte mit dir, damit auch deine Zeit im Karijini Nationalpark unvergesslich schön wird!

Hamersly Gorge im Karijini Nationalpark

Beste Reisezeit

Der Karijini Nationalpark liegt nördlich des südlichen Wendekreises und die Hauptreisezeit ist von März bis November, da das Regenrisiko während dieser Zeit nur minimal ist, die Schluchten aber trotzdem gut gefüllt sind mit Wasser. Im Juni/Juli kann es Nachts durchaus sehr kalt werden.

Von Dezember bis Februar kann es vorkommen, dass Wanderwege und Schluchten teilweise gesperrt sind, da es immer wieder zu Überflutungen durch Sturzregenfälle kommt. Die Temperaturen übersteigen dann tagsüber nicht selten die 40 Gradmarke, was die Gefahr eines Hitzschlags erhöht.

Wir waren im September dort und hatten bestes Wetter mit Temperaturen bis zu 30 Grad tagsüber. Nachts wurde es kühler, was das Schlafen im Auto sehr angenehm machte.

Anreise und Infrastruktur

Australien ist ein riesiger Kontinent und Distanzen werden schnell mal unterschätzt. Höchstwahrscheinlich bist du auch mit dem Auto unterwegs und hast vielleicht bereits festgestellt, dass die Fahrten zwar entspannt sind aber auch schnell langweilig werden können, da die Straßen oft einfach kilometerweit geradeaus führen. Wir empfehlen dir daher, ausreichend Stopps einzuplanen und, wenn möglich, Fahrerwechsel. Matthias und ich haben uns alle zwei Stunden abgewechselt.

Da die Region außerdem sehr abgelegen und dünn besiedelt ist, nimm ausreichend Nahrung und Wasser mit, falls du unterwegs mit dem Auto liegen bleiben solltest. Es kann unter Umständen mehrere Tage dauern, bis du Hilfe bekommst.

Wir sind von Exmouth aus Richtung Karijini Nationalpark gefahren und haben die Kleinstadt Tom Price angesteuert, was in etwa 600 km sind. In Tom Price haben wir nochmal Lebensmittel aufgestockt und getankt. In Tom Price gibt es außerdem die Möglichkeit kostenlos zu duschen und Trinkwasser aufzufüllen.

Kommst du aus dem Norden aus Richtung Port Headland  (ca. 350 km) ist es am besten in Port Headland alle Vorräte aufzufüllen. Du wirst dann in den Park am östlichen Eingang, am Munjina Roadhouse, befahren.

Die Straßen sind teilweise betoniert, teilweise nicht weswegen wir froh waren, dass wir ein Auto hatten, mit dem es problemlos möglich war, auch off-road zu fahren. In Tom Price und online kann man sich vorab über die Straßensituation informieren, die sich auch je nach Wetter ändert.

Roadtrip durch den Karijini Nationalpark

Eintritt

Den Parkpass kannst du vorab online kaufen und er gilt pro Fahrzeug, nicht pro Person. Für ein Auto (mit bis zu 12 Insassen) zahlt man aktuell 15 AUD.  Es gibt außerdem die Möglichkeit einen Pass zu kaufen, der für alle Nationalparks in Westaustralien gilt. Hast du also vor mehrere Nationalparks zu besuchen, ist dies eventuell eine gute Option, um etwas Geld zu sparen. Bitte beachte, dass du den Pass ausdrucken musst.

Übernachten im Nationalpark

Im Nationalpark selbst gibt es zwei offizielle Campingplätze. Im Eco Retreat gibt es neben Stellplätzen für Zelte und Caravane auch die Möglichkeit Zelte im Glamping Style anzumieten. Zudem ist das der einzige Campingplatz im Park, der Stellplätze mit Stromanschluss anbietet.

Wir haben eine Nacht im Dales Campground verbracht, von dem man zu Fuß zu den Fortescue Falls und dem Circular Pool laufen konnte. Der Stellplatz an sich ist wunderschön in der Natur gelegen und es gibt einfache Bushtoiletten. Duschen und Strom gibt es nicht. Kosten Pro Person liegen bei 11 $ pro Nacht.

Es ist nötig die Übernachtungen vorab online zu buchen, da man im Park nur vereinzelt Empfang hat.

Im Besucherzentrum gibt es Duschen und auch ein öffentliches Telefon. Wir hatten hier zum Beispiel auf Empfang mit unserer Telstra Simkarte.

Bevor wir in den Nationalpark gefahren sind, haben wir eine Nacht unmittelbar davor auf einem Freespot verbracht. Alle Freecamps haben wir mit der App WikiCamps ausfindig machen können.

Wichtig zu wissen

Es gibt nur vereinzelt Mülleimer. Sammle deinen Müll also und nimm ihn entweder wieder mit raus aus dem Park oder entsorge ihn in den großen Müllcontainern am Visitor Center.

Es gibt bisher kein aufbereitetes Trinkwasser im Park. Es besteht aber die Möglichkeit Wasserflaschen im Besucherzentrum zu kaufen.

Festes Schuhwerk ist von Vorteil, wenn du die Schluchten erkunden möchtest.

Das Wasser kann SEHR kalt sein, springe also nicht einfach hinein – auch wenn es verlockend scheint!

Im Karijini Nationalpark gibt es Dingos. Sei aufmerksam und packe deine Nahrung immer gut weg. Dingos sehen niedlich aus aber du solltest unter keinen Umständen mit ihnen interagieren.

Außerdem bringe unbedingt Insektenschutz, eine große Trinkflasche und  Sonnencreme mit. Ein Hut gegen die australische Sonne ist ebenso empfehlenswert.

Wildblumen am Mount Bruce im Karijini Nationalpark

Geschichte des Karijini Nationalparks

Der Karijini Nationalpark ist traditionelle Heimat und Land der Banyjima, Kurrama und Innawonga Stämme, die bereits seit über 30.000 Jahren dieses Land besiedeln. Der Nationalpark liegt in der Hamersley Range, dessen Banyjima Name Karijini ist. Der Name des Parks soll die Bedeutung des Gebietes und die Geschichte der Aboriginies widerspiegeln.

Die Aborigines leisten einen großes Teil des Parkmanagments und tragen mit ihren traditionelles Methoden dazu bei, die Biodiversität des Karijini Nationalparks zu bewahren.

 Mount Bruce Summit Sunrise Hike

Relativ spontan haben wir uns für die Wanderung zum Gipfel des Mount Bruce entschieden. Um die Wanderung etwas erträglicher zu machen und der Hitze tagsüber zu entgehen, entschlossen wir uns Nachts los zu laufen und erhofften uns so einen tollen Sonnenaufgang vom Gipfel aus.

Die Nacht zuvor verbrachten wir auf dem Freespot “Mt Bruce Central Bush Camp” nur 3 km vom Beginn des Wanderweges entfernt. Der Wecker klingelte uns 2.30 Uhr aus dem Schlaf, wir zogen uns an, krochen auf die Vordersitze und fuhren los. Auf dem Parkplatz am Mount Bruce stellten wir unser Auto ab und liefen zielstrebig los. Unsere Kopflampen leuchteten den schmalen Pfad aus und in der Entfernung konnten wir einige Mienen erspähen.

Wir planten etwa 3 Stunden für den Aufstieg, doch bereits nach 2 Stunden erreichten wir den Gipfel. Es war dunkel und ein eisiger Wind wehte. Wir waren froh, dass wir uns für lange Klamotten entschieden hatten und harten aus. Als die Sonne dann langsam aufging, wurde die Landschaft in schönstem goldgelb angestrahlt und wir waren fasziniert. Die unglaubliche Weite des roten Kontinents erstreckte sich unter uns – atemberaubend! Der Aufstieg hatte sich mehr als gelohnt und wir können den Sunrise Summit Hike sehr empfehlen. Der Hike wird mit 6 Stunden Gehzeit sehr großzügig angegeben.

Ausblick vom Mount Bruce in Western Australia Julia beim Abstieg vom Gipfel des Mount Bruce

Hamersly Gorge und Spa Pool

Diese Schlucht liegt im Nordwesten des Karijini Nationalparks und somit etwas weiter weg von all den anderen Schluchten und Wanderwegen. Die Straße bis zum Parkplatz des Hamersly Gorges ist nicht asphaltiert, war aber bis auf die letzten Kilometer in einem guten Zustand. Wir haben trotzdem etwas Luft aus unseren Reifen abgelassen. Die Fahrt zu dieser abgelegenen Schlucht hat sich aber allemal gelohnt. Die Farben und Texturen der Felsformationen in Kombination mit einem Wasserfall und dem dazugehörigen Pool haben uns restlos begeistert! Der Weg vom Parkplatz bis zum Wasserfall und den Pools, in denen man schwimmen kann, ist nicht weit und einfach machbar begehbar.

Der oberste Pool hat dabei die schönste Farbe und du kannst von hier aus entweder zum Spa Pool schwimmen oder aber du läufst entlang des abfallenden Felsens und kannst so auch deine Kamera mitnehmen.

Spa Pool im Karijini Nationalpark

Hancock Gorge und Kermits Pool

Diese Wanderung wird gern als Reise zum Mittelpunkt der Erde beworben und es wird schnell klar warum. Die Felsformationen hier sind mehr als 2.5 Billionen Jahre alt und wenn man unmittelbar davon umgeben ist, fühlt man sich sehr unscheinbar und alle Probleme plötzlich ganz winzig klein. Die Wanderung zu dem Pool ist ca 1,5 km lang und wird mit 2 Stunden angegeben, sie gilt als sehr anspruchsvoll. Wir fanden sie aber gut machbar mit entsprechendem Schuhwerk. Bilder gibt es hiervon nicht bei uns, da wir teilweise durch tiefes Wasser laufen mussten. Der Weg hat sich aber definitiv gelohnt und wenn du Lust auf ein Abenteuer hast, bist du hier richtig!

Weano Gorge und Handrail Pool

Der obere Teil der Waeno Gorge ist nach etwa 500 Metern vom Parkplatz aus erreichbar und lädt wunderbar zum entspannen und verweilen ein. Es ist ruhig und die Farben begeistern auch hier. Als wir hier waren, haben zudem überall Wildblumen geblüht.

Der untere Teil der Schlucht ist etwas schwieriger zu erreichen und erfordert Aufmerksamkeit. Der Weg ist teilweise sehr schmal und rutschig. Nichtsdestotrotz ist das ein sehr beeindruckender Weg und der Blick nach oben lohnt sich immer wieder. Nach einigen hunderten Metern erreichst du eine schmale Stelle, die hinab zum Handrail Pool führt. Halte dich unbedingt am Geländer fest, wenn du zum Pool gehst. Das Wasser hier empfanden wir am kältesten und die Umgebung am spektakulärsten. Lass dich im Wasser treiben während dein Blick nach oben schweift. Unbeschreibliches Gefühl!

Karijini Nationalpark in Western Australia

Oxer Lookout

Vom Parkplatz sind es nur 400 Meter bis zum Aussichtspunkt und die Aussicht kann sich wirklich sehen lassen. Von hier aus hast du einen Panoramablick auf ganze vier Gorges.

Dales Gorge (Ngirribungunha)

Diese Schlucht ist leicht zugänglich und liegt östlich vom Besucherzentrum. Vom Dales Campingplatz ist man innerhalb von wenigen Minuten hingelaufen. Aufgrund der leichten Zugänglichkeit empfanden wir diese Schlucht aber auch am frequentiertesten.  Der Parkplatz ist Startpunkt vieler Wanderwege, die die Highlights der Dales Gorge verbinden. Unsere Highlights dieser Schlucht waren definitiv der Wasserfall und der Fern Pool.

Fortescue Falls (Jubula)

Die Dales Schlucht beherbergt den einzig dauerhaften Wasserfall im Karijini Nationalpark – die Fortescue Falls. Vom Parkplatz sind es nur wenige Meter und du kannst bereits den Ausblick auf den Wasserfall genießen. Die Stufen führen dich dann direkt zu dem Pool, an dem du ein erfrischendes Bad nehmen kannst. Die natürlichen Stufen hier laden ein, um die wunderbare Aussicht aufzusaugen und etwas zur Ruhe zu kommen.

Fortescue Falls im Karijini Nationalpark

Fern Pool (Jubura)

Vom Wasserfall aus führt ein Weg durch dichten grünen Wald weiter bis zum Fern Pool. Irgendwie fanden wir diesen Ort besonders magisch. Wir waren sehr früh morgens hier und hatten diesen Ort komplett für uns allein. Den Tieren zu lauschen während die Sonne die Gesteine in ein immer intensiveren Rotton tauchte, ist ein Moment, der uns für immer in Erinnerung bleiben wird.

Der Fern Pool ist ein spiritueller Ort für Aborigines, weswegen reinspringen oder laute Geräusche aus Respekt unterlassen werden sollten.

Fern Pool im Karijini Nationalpar

Fazit

Drei Tage waren ausreichend aber wir hätten auch einen 4. und 5. Tag füllen können. Wir hätten dann wahrscheinlich noch weitere Gorges erkundet und mehr Wanderungen gemacht.

Da uns aber sowohl das Essen als auch der Sprit langsam ausging, sind wir aus dem Park herausgefahren und haben am Aukski Tourist Village angehalten. Dort konnten wir auftanken und kostenlos duschen bevor die Fahrt Richtung Port Headland weiterging. In Port Headland konnten wir unsere Kanister wieder mit Trinkwasser auffüllen und im Supermarkt auch unsere Essensvorräte.

Karijini Nationalpark in Western Australia

Wir hoffen, mit diesem Beitrag wird dein Aufenthalt im Karijini Nationalpark unvergesslich und wir konnten dir ein paar wertvolle Tipps geben.