Von Julia & Matthias

Hautnah dabei: Meeresschildkröten bei der Eiablage

Wir wussten gar nicht, dass das eines unserer Highlights werden würde, bis wir es erlebt hatten.

Auf unserem Roadtrip entlang der Westküste Australiens machten wir einen mehrtägigen Stopp in der Nähe von Exmouth.

Für zwei Nächte schlugen wir unser Lager am Ningaloo Lighthouse Holiday Park auf und erkundeten den Cape Range Nationalpark. Die Natur und die Strände hier sind wirklich ein Traum. Niemals hätten wir gedacht, dass sich das noch toppen lässt.

Wie alles begann…

Wir machten am Tag unserer Ankunft die Strände kurz vor dem Cape Range Nationalpark ausfindig, da es sich nicht mehr gelohnt hätte in den Park hinein zu fahren. Wir liefen also herum, genossen die Abendsonne und wurden aufmerksam, als wir Spuren im Sand entdeckten. Solche Spuren hatten wir noch niemals zuvor gesehen. Sie waren riesig groß, sahen sehr besonders aus und verloren sich in den Dünen.

Sollten das etwa Spuren von Schildkröten sein? JA! Nach einer kurzen Ecosia -Suche (cooler als Google!) bestätigte sich unser Verdacht und einen Strand weiter sollte es sogar ein Infozentrum dazu geben. Wir haben nicht lang gefackelt und sind zu dem besagten Infozentrum gefahren. Dort angekommen entpuppte sich das Infozentrum als Informationstafel. Was wir darauf lasen, entzückte uns direkt sehr, denn die Saison für die Eiablage hatte gerade begonnen.

Spuren einer Meeresschildkröte an Land

Die erste Nacht auf der Suche nach Schildkröten

Wir beschlossen zur Dämmerung zurück zu kommen und uns auf die Lauer zu legen. Gesagt getan. Am Strand angekommen, war sogar ein Ranger da, der uns ein paar Verhaltensregeln erklärte und uns viel Glück wünschte. Pünktlich zur Dämmerung machten wir es uns dann am Strand bequem. Wir waren irgendwie aufgeregt und warteten einfach ab. Eine, zwei, drei und auch vier Stunden später passierte nichts. Wir konnten keine Schildkröte erspähen und beschlossen den Strand ein bisschen auf und ab zu laufen. Da auch das leider nicht erfolgreich war, fuhren wir zurück auf den Campingplatz. Ein bisschen traurig krochen wir in unseren Camper.

Neuer Tag – Neues Glück?

Am nächsten Morgen war unsere Motivation zurück und nach dem Tag im Nationalpark und einen wunderschönen Sonnenuntergang später, fuhren wir an einen Strand ganz nah am Campingplatz, um unser Glück noch einmal zu versuchen. Meine Mama, Jörg & ich machten uns bereits auf zum Strand. Matthias hatte mehr Hunger als Motivation und blieb im Camper, um sich was zu kochen. Die Schildkröten würden wohl eh nicht direkt mit Einbruch der Dunkelheit kommen, dachten wir.

Wir warten auf Schildkröten am Cape Range

Nachdem wir einen guten Platz gefunden hatten, von wo aus wir den Strand möglichst gut einsehen konnten, begann das Warten erneut. Wir hofften drauf, dass sich das Warten heute lohnen würde. Es war 19 Uhr als meine Mama entschied ein paar Meter zu laufen. Wir beobachteten sie und plötzlich hat sie sich langsam hingelegt. Wir konnten sehen warum: Die erste Schildkröte ließ sich mit einer Welle an Land tragen. Sie war riesig und brauchte eine kurze Verschnaufpause, bevor sie sich ihren Weg in die Dünen schaufelt. Während ich das beobachtete, rief ich Matthias an, er solle sich beeilen, flüsterte ich ins Handy. Puh, mein Herz Schlug mir bis zum Hals vor lauter Aufregung und Glücksgefühlen. (Und auch jetzt bekomm ich noch Gänsehaut!)

Meine Mama lag noch immer wie versteinert im Sand, während sich die Schildkröte an ihr vorbei schob immer weiter in Richtung Dünen.

Es dauerte 20 Minuten bis die Schildkröte anfing, ihr erstes Loch zu buddeln. Mit ihren Flossen schaufelt sie den Sand energisch zur Seite. Irgendwann versank die Schildkröte so tief in ihren eigenen Loch, dass wir sie nicht mehr sehen konnten.

Zwei weitere Schildkröten wurden unterdessen an Land gespült und ich konnte unser Glück gar nicht begreifen. Wir lagen alle flach im Sand, bewegten uns kaum und trotzdem hatten wir mit Sicherheit das dickste Grinsen im Gesicht.

Auch diese Schildkröten fingen an Löcher zu buddeln. Das konnten wir sehen und auch hören. Es muss unglaublich kraftaufwändig für die Schildkröten sein.

Natürlich wollten wir sie auch ins Meer zurück gehen sehen und so lagen wir eine ganze Weile stumm im Sand und genossen einfach den Moment.

Lässt sich Glück steigern?

Matthias entschied sich zurück auf unsere Decke zu robben, um etwas zu essen. Wenig später kam direkt vor Matthias eine weitere Schildkröte aus dem Wasser. Sie fackelte nicht lang und steuerte direkt auf Matthias zu. Er saß total versteinert da – würde die Schildkröte zu ihm auf die Decke kommen? Zum Glück hat sie die Decke knapp verfehlt  und hat direkt daneben angefangen ihr Loch zu graben. Der Sand landete dann ohne Umwegen auf Matthias und der Decke. Wer hätte gedacht, dass wir dieses Spektakel so nah miterleben dürfen?

Auch diese Schildkröte buddelte weitere Löcher, die etwas weiter in den Dünen waren. So robbten wir also alle zu Matthias und warteten gemeinsam darauf, dass die Schildkröten ihren Weg zurück antraten.

Ranger Julia greift ein

Während wir warteten, kamen immer wieder Menschen vorbei, die mit greller Taschenlampe am Strand lautstark auf sich aufmerksam machten. Sie leuchteten alles ab, stiegen in die Dünen und leuchteten sogar die Schildkröten in den Löchern an. In mir kochte die Wut hoch. Wie kann man so ignorant sein und jeglichen Verstand ausschalten? Ich wollte nicht, dass die Schildkröten, die all ihre Kraft investieren, bei der Eiablage gestört werden. Also robbte ich mich zu den Störenfrieden, bat sie ihre Lampen auszumachen, am Wasserrand zu bleiben und sich auf allen Vieren fortzubewegen. Sie fragten dann, wie lang das wohl alles dauert und als ich erzählte, dass wir bereits seit 5 Stunden hier rumliegen, hatten sie wohl keine Geduld und sind wieder gegangen. Jackpot – wir waren wieder allein und die Schildkröten hatte ihre Ruhe.

Faszination Schildkröte

Es wurde immer später und später doch kurz nach 2 Uhr schob sich die erste Schildkröte zurück ins Meer. Es wurde Zeit, denn das Wasser ging immer mehr zurück. Die anderen Schildkröten gruben immer noch Löcher und ein Ende der Eiablage war noch nicht in Sicht. Wir beschlossen nun auch abzuziehen. Wir hatten mehr gesehen und erlebt, als wir jemals für möglich gehalten hätten.

Hier ein paar faszinierende Fakten zur Eiablage der grünen Meeresschildkröte:

  • Das Muttertier kommt an ihren eigenen Geburtsort zurück, um ihre Eier auch dort abzulegen
  • Den Ort ihrer Eiablage finden sie dank des Magnetfeldes der Erde, das sie leitet.
  • Die Schildkröten kommen in der Dunkelheit aus dem Wasser, da sie die Dunkelheit vor Feinden schützt.
  • Die Eier werden von der Sonne ausgebrütet
  • Bei Temperaturen über 30 Grad Celsius werden Weibchen schlüpfen und bei unter 30 Grad Celsius entstehen Männchen.
  • Nur etwa 1 von 1000 Schildkröten erreicht das 20. Lebensjahr und hat so die Möglichkeit sich fortzupflanzen.

Für uns war dieses Erlebnis das absolute Highlight unseres Roadtrips und auch von unserem gesamten Australienaufenthalt. Soviel Glück zu haben dieses Naturspektakel  einmal im Leben zu erleben, ist unglaublich und wenn wir so darüber schreiben, können wir es selbst kaum fassen, dass wir das mit eigenen Augen gesehen haben. Der Moment, wenn die Schildkröte mit der Welle angespült wird und sie dich scheinbar direkt anschaut, ist Magie pur!

Ach, und habe ich schon erwähnt, dass Vollmond war? Der Mondschein hat diese Momente in ein noch viel schöneres Licht getaucht und noch besonderer gemacht, als es ohnehin schon war.

Schön, dass du hier bist! Wir sind Julia & Matthias, wir lieben das Leben und erfüllen uns unseren Traum von Freiheit. Unsere Rucksäcke, eine Kamera und ein Herz voller Abenteuerlust und Neugierde sind stetige Begleiter auf der Reise ins Glück. Kommst du mit?

Ein Kommentar zu “Hautnah dabei: Meeresschildkröten bei der Eiablage

  • Antworten Heike 22. Juli 2019 um 18:43

    🤗 Sehr treffend geschrieben,da kommen mir noch beim Lesen die Tränen vor Ehrfurcht,Dankbarkeit und Glück diesen Moment erlebt zu haben…🐢

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